Timeless

Latvian Voices

Annenkirche Dresden

Wenn Stimmen und Stimmung eng verwoben sind

Latvian Voices zu Gast in der Dresdner Annenkirche - eine Konzertkritik von Wolfram Quellmalz, erschienen in der DNN am 2. August 2022 

Nicht nur für den Veranstalter war es ein besonderer Augenblick: Mit dem Konzert am Sonntagnachmittag in der Annenkirche begann eine neue Konzertreihe (nicht nur) in Dresden, die Musikfreunden künftig berührende Erlebnisse verschaffen will. Das zumindest ist der Anspruch von Christian Hacker und Steffen Schuster. Zum Auftakt luden sie Latvian Voices ein.

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Das Ensemble, vor vierzehn Jahren mit sieben Frauenstimmen gegründet, kam in einer Besetzung à 6 voci nach Dresden, die in ihrer Zusammenstellung schon ungewöhnlich war: drei Sopranen standen zwei Alt sowie ein Baß gegenüber – Jānis Strazdiņš, der einzige Mann, wirkte kürzlich noch als »featuring-Partner« mit, mittlerweile ist er integriert. Ein Chor sind die sechs nur zum Teil – »Vokalensemble« trifft es eher, weniger wegen des offenen Repertoires als in bezug auf den Umgang mit der Stimme. Denn die kann nicht nur mit Text beitragen, sie kann Vocalisen singen, summen, akustisch Atem einfügen.

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Die meisten der Titel waren lettische Volkslieder, auch Estnisch und Ukrainisch erklang, bevor es am Ende gar westliche Popmusikarrangements gab – Peter Gabriel, George Harrison, Sting. Hier wurde durchaus Musik »performed«, aber immer ausgewogen und mit Sinn behaftet. Was sehr für Latvian Voices spricht und sie von reinen Unterhaltungsprogrammen absetzt, sind die unterschiedlichen Arrangements. Obwohl die meisten von Laura Jēkabsone (2. Sopran) angefertigt wurden, gerieten sie höchst individuell. Neben der Verteilung von Stimmen bezog das die »Umrahmung« durch einen Voice-Sound sowie rhythmische Betonungen ein. Letztere waren immer als zurückhaltende Unterstreichung gedacht, nicht für eine forcierte Stimmungssteigerung. Und selbst in den Stimmen gab es Abstufungen: Una Stade, eigentlich 3. Alt, war generell für die dunkleren weiblichen Töne zuständig, weshalb sie von ihrer Kollegin als »auch Tenor und Bariton« vorgestellt wurde. Jānis Strazdiņš wiederum hatte wenige Textpassagen, sorgte meist für instrumental anmutende Baßbegleitung – der Klang von Latvian Voices wird überwiegend von den hellen Frauenstimmen geprägt.

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Nun spricht oder versteht jedoch kaum jemand im Publikum Lettisch. Die Texte zu den Liedern gab es diesmal (noch?) nicht im Programmheft, dafür sorgten Latvian Voices wechselweise mit kurzen Moderationen dafür, daß jeder ungefähr wußte, worum es in dem folgenden Lied geht. Allerdings waren es letztlich viele solche Moderationen und auf englisch – etwas mehr Text im Heft wäre also von Vorteil.

Deutsch singen können Latvian Voices aber auch, bewiesen sie mit Fanny Hensels »Die Mainacht«. Emīls Dārziņš Valse mélancolique stellte gleich danach die sinfonische Seite des Ensembles heraus, zudem ist das Werk bei uns bekannt, oder zumindest das Thema – in Nord- und Osteuropa schien es zu inspirieren, wenn man noch an Jean Sibelius‘ Valse triste oder Peter Tschaikowskys Valse sentimentale denkt.

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Mit »Jumalo«, »Zvīdzi, zvīdzi sermais zirdzeņ« oder »Kur gaismeņa ausa« gab es traditionelle Volkslieder in neuen Gewändern, die Damen von Latvian Voices können aber auch selbst komponieren, zeigten sie im zweiten Teil, bevor sie zu ein paar westlichen Songs übergingen und mit »Here comes the sun« den Sommer feierten. Die Zugabe, »Cauri Vasarām«, war noch einmal eine Eigenprodiktion aus der Feder von Laura Jēkabsone.

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Das Ensemble

Die Dresdner Kapellsolisten begeisterten mit ihren mitreißenden Programmen bereits die Presse: "Das Ensemble agiert absolut stilsicher, die musikalischen Gedanken werden plausibel und spieltechnisch perfekt auf den Punkt gebracht" (HR2) und auch dieses Konzertprogramm lässt die hohe Qualität des Dresdner Erbes fern jeden Zweifels sein.

Seit 1994 sind die Mitglieder des Ensembles verbunden in ihrer Leidenschaft für eine epochengetreue Rekonstruktion des barocken, klassischen und romantischen Musikerbes. Hauptsächlich Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle bilden die Dresdner Kapellsolisten. Unter der Leitung des Mitbegründers und „Primus inter pares“ Helmut Branny erwecken sie die sprachlichen und gestischen Elemente der Musik zu einer lebendigen Klangrede.

Konzerte an beeindruckenden Orten

Wir freuen uns sehr, dass wir mit unseren Konzerten an interessanten, wunderschönen und geschichtsträchtigen Orten zu Gast sein dürfen. Neben wunderschönen Kirchen in Dresden sind wir 2023 gleich zweimal in der beeindruckenden Hallenkirche St. Marien Pirna zu Gast. Was alle Spielstätten vereint ist deren herausragende Akustik, die unsere Künstler:innen auf besondere Weise tragen und Ihr persönliches Konzerterlebnis vervollständigt. Begleiten Sie uns auch in der Konzertsaison 2023, egal ob in Dresden oder Pirna. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! 

Besetzung

Rolle
Sopran I
Name
Beāte Krūmiņa
Rolle
Sopran II
Name
Laura Jēkabsone
Rolle
Sopran III
Name
Dita Belicka
Rolle
Alt I
Name
Paula Pērkone
Rolle
Alt II
Name
Una Stade
Rolle
Bass
Name
Jānis Strazdiņš

Timeless

Am 31. Juli feierten wir mit unserer neuen Konzertreihe Premiere in der Dresdner Annenkirche. Mit Latvian Voices - dem Stimmwunder aus Lettland - konnten unsere Gäste echten A-Cappella-Hochgenuss erleben und ein Konzert, dass alle berührte.